Empfehlung des Frankfurt LAB: La Colpa, Il Pentimento, La Grazia
Foto: Valentin Badiu
Frankfurt LAB

Empfehlung des Frankfurt LAB: La Colpa, Il Pentimento, La Grazia

17.& 18.08.2013, Kloster Eberbach

Oratorium von Alessandro Scarlattis,
ein Projekt der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

Das Opernjahresprojekt der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main probt derzeit im Frankfurt LAB Alessandro Scarlattis Oratorium La Colpa, Il Pentimento, La Grazia (Die Schuld, die Reue, die Gnade). Zu sehen ist die Aufführung mit Solisten und Ensembles der Instrumental- und Gesangsabteilung, dem Orchester der Abteilung für Historische Interpretationspraxis und dem Kammerchor mit Studierenden der HfMDK im Rahmen des Rheingau Musikfestival 2013 im Kloster Eberbach.


ZUR AUFFÜHRUNG BEIM RHEINGAU MUSIKFESTIVAL 2013

Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei wie mein Schmerz, der mich troffen hat. Denn der Herr hat mich voll Jammers gemacht am Tage seines grimmigen Zorns. Luther Bibel (1912)

Es ist keine leichte Sommeroper, sondern ein höchst eigentümliches Stück, das Studierende der HfMdK in einer Inszenierung von Nils Cooper und unter der musikalischen Leitung von Prof. Michael Schneider dieses Jahr in der Basilika des Klosters  Eberbach zur Aufführung bringen werden. Es handelt sich um ein Passionsoratorium, das aber, ganz anders als die uns bekannten Oratorien dieser Gattung, nicht die Leidens- und Sterbegeschichte Jesu erzählt, sondern sich auf eine Art und Weise mit dem Problem der menschlichen Existenz auseinandersetzt, die einen fast an das absurde Theater von Samuel Beckett erinnert.

An einem nicht näher bestimmten Ort treffen drei allegorische Figuren aufeinander: Die Schuld, die Reue und die Gnade. Sie sind nicht gekommen um etwas zu erleben oder uns an etwas bereits Erlebtem teilhaben zu lassen sondern beginnen stattdessen einen Diskurs über nichts weniger als den Sinn und die Schwierigkeiten des Menschlichen Daseins und ihren jeweiligen Anteil am Gelingen desselben….
Der schuldige Mensch kann nur durch die reuige und zerknirschte Hinwendung zu Gott und das göttliche „Entegegenkommen“ der himmlischen Liebe in Form von Gnade von seiner Schuld erlöst werden. Das im Schlusschor besungene „Kreuz“  dient als Mahnung für diesen einzigen Weg auf dem der Mensch am Tag des „Jüngsten Gerichts „ vor das Antlitz Gottes treten kann. Auffällig ist die gespaltene Identität der „Schuld“: einerseits ist der am Kreuz hängende Christus eine „Trophäe“ ihrer Macht, andererseits wohnt ihrem Selbstbewusstsein eine selbstzerstörerische Dynamik inne, die im glücklichen Falle zu einem Aufgehen in der Reue führt. Sie „verfolgt nicht den, der ihr aus dem Wege geht, aber macht schuldig den, der sie sucht.“
Wer durch Reue und Gnade von seiner Schuld befreit wird, dem vermittelt diese durch die verarbeitete Erinnerung Kraft und moralische Stärke.

Eingewoben in diesen Diskurs und vom musikalischen Stil völlig anders gehalten sind Ausschnitte aus den Klageliedern Jeremias. In denen eine Menschheit beschrieben wird, die durch eigenes Verschulden an einem Nullpunkt in der eigenen Existenz angekommen ist, in der ihr sowohl der Bezug zum eigenen Selbst als auch zu dem einst liebenden Gott verloren gegangen ist. Ohne jeden Halt gebenden Bezug irrt diese Menschheit in einer bedeutungslos gewordenen Existenz vor sich hin. Verloren und verlassen…..

Den Rahmen für diese Aufführung bietet die eindrucksvolle Basilika des Klosters Eberbach, die durch ihre Größe und erhabene Schönheit von den jungen Sängerinnen und Musikern nicht nur eine herrausragende Beherrschung ihrer musikalischen Kunst, sondern auch große Intensität im Spiel und im Ausdruck verlangen wird.

Eine wirkliche Herausforderung wartet auf alle Beteiligten. Denn es soll in der szenischen Umsetzung dieses Stückes nicht nur wiedergeben und bebildert werden, was vor über 300 Jahren den Menschen als darstellenswert und lebensbestimmend erschien, sondern in der fast sechswöchigen Probenarbeit im Frankfurt LAB auch die eigene Lebenswirklichkeit hinterfragt und die Geschichte der eigenen Existenz erzählt und dann dem, hoffentlich zahlreich erscheinenden Publikum im Kloster Eberbach vorgestellt werden. So dass im wörtlichen Sinne eine „passionierte“ Aufführung eines alten Werkes durch junge Künstler von heute entstehen kann.
Ein Theater das sich so eine Aufgabe stellt wird deshalb nicht nur Kostüm, Licht und Dekoration benutzen können, sondern den ganzen Körper der Darsteller fordern, sich an Elementen der Performance, des Tanzes und anderen Formen des körperlichen Theaters bedienen.

TEAM
Solisten und Ensembles der Instrumental- und Gesangsabteilung
Orchester der Abteilung für Historische Interpretationspraxis
Kammerchor mit Studierenden der HfMDK
Regie: Nils Erik Cooper
Musikalische Leitung: Michael Schneider
Ausstattung: Irina Bartels
Produktionsleitung: Daniela Kabs

TERMINE
Samstag, 17. August 2013, 18 Uhr
Sonntag, 18. August 2013, 18 Uhr

ORT
Kloster Eberbach, Basilika